Inhalt

PERSÖNLICHKEITEN

Meister Pavel aus Kravaře – Über das Leben und die Herkunft dieses hussitischen Predigers ist nur wenig bekannt. Er stammte vermutlich aus ärmeren Verhältnissen. Er war hussitischer Prediger, Meister der weltlichen Wissenschaften und Medizin-Bachelor. Im Mai 1416 war er aber bereits unter den Mitgliedern des Professorenkollegiums der Karlsuniversität in Prag zu finden. Hier lernte er die hussitischen Ideen kennen, die er bis zu seinem tragischen Tode eifrig verbreitete. Nach fünf Jahren kehrte er wieder nach Polen zurück und war bei dem König Vladislav Jagiela als Leibarzt tätig. Im Jahre 1433 wurde er als gefährlicher Ketzer und Viklefist verbrannt. Während seines Aufenthalts in Prag im Jahre 1420 verfasste Pavel aus Kravaře eine Schrift namens Anatomia Antichristi. In dieser Schrift verteidigte er leidenschaftlich die hussitischen Ideen. Seine Schrift wurde erst um einhundert Jahre später in Straßburg veröffentlicht.

 

Petr aus Kravaře (1389 – 1434) – Petr aus Kravaře war der letzte Besitzer des Anwesens der Herren von Krawarn. Im Jahre 1416 nach dem Tod seines Verwandten Lacek aus Kravaře (dt. Latzek von Krawarn) wurde er von dem böhmischen König Wenzel IV. zum Herzog von Mähren ernannt. Durch die Ernennung wurde er zu einem wichtigen Vertreter des Königs im Land Mähren. Petr war ein geachteter, reicher Adeliger mit zahlreichen Höfen in Mähren und Schlesien. In Mähren stand er an der Spitze des Adels. Petr war ein leidenschaftlicher Vertreter der Hussitenlehre und er nahm an zahlreichen Protestversammlungen des Adels in Velké Meziříčí, Brünn und Prag teil. Später stand er an der Seite des gemäßigten Hussitenflügels, der sich um die Anerkennung der utraquistischen Bewegung mit friedlichen Mittel bemühte. Nach seinem Namen benannte man sogar eine der Straßen in Kravaře.

 

Michal Sendivoj aus Skorsko (1566-1636) war ein polnischer Chemiker und Alchemist. Seit dem Jahre 1595 wirkte er am Hof des Kaisers Rudolf der II. als Alchemist und Arzt. Später erwarb er den Titel Hofrat und war ebenfalls als Diplomat tätig. Im Jahre 1630 erhielt er Kravaře als Geschenk von dem Kaiser und blieb hier zu seinem Tode. Seine wissenschaftliche Arbeit fasste er in fünf lateinisch geschriebenen Traktaten zusammen. An seinem Anwesen war er wegen seiner Habgier und Streitlust nicht besonders beliebt. Davon zeugt ebenfalls sein Spitzname (polnischer Teufel).

 

Augustin Kaluža (1776-1836) – war ein patriotischer Priester, Gymnasiallehrer und Naturwissenschaftler. Er verfasste einige wichtigere Arbeiten über die schlesische Fauna und Mineralogie, die die Grundlage der schlesischen naturwissenschaftlichen Literatur bilden. Er bereiste das ganze Schlesien samt Hultschiner Ländchen, er sammelte und lokalisierte das hiesige Mineralien-Vorkommen. Er beschrieb die Flusstäler von Opava, erfasste die Höhendaten einiger Orte und Hügel, beispielsweise von Landek und Sněžník. Als erster Naturwissenschaftler in Schlesien wendete er systematische Klassifizierung und vorgeschlagene Methoden des schwedischen Forscher Carle Linné.

 

Joseph von Eichendorff (1788-1857) – war der zweitgeborene Sohn von Adolf von Eichendorff. Sein Vater war der letzte, von diesem Geschlecht stammende Besitzer von Kravaře. In seiner Jugend und nach seinen Studien in Vratislav und Halle hielt sich Joseph von Eichendorff öfter auf dem Familiensitz bei der Stadt Racibórz/ dt. Ratibor (heute Polen) auf. Er besuchte ebenfalls öfter Šilheřovice (dt. Schillersdorf). Er lernte gut Polnisch und war im Kontakt mit den Einheimischen, von denen er ihre Volkskunst sammelte. Diese verwendete er dann als Vorlage für sein literarisches Schaffen. Viele seiner Werke sind mit der Zeit jedoch in Vergessenheit geraten und der heutige Leser begegnet seinen Werken nur in Form von einigen wenigen lyrischen Gedichten und der bekannten Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“, 1826. Diese lustige Novelle bedeutet dem deutschen Leser so viel wie unser tschechischer Roman „Babička“ (dt. Die Großmutter) von Božena Němcová.

Josef Seyfried (1865-1923) – war ein Baumeister. In Kravaře und in seiner nahen Umgebung entstanden nach seinen Plänen einige monumentale aber auch einige kleinere gewerbliche Bauten, die er im Geiste der norddeutschen Pseudogotik entwarf. Diese Bauten prägen bis heute die Stadt Kravaře. Der ganze Komplex von Gebäuden, also das Gemeinde-und Pfarramt sowie der Kirchenkomplex wurden in die Liste der geschützten Denkmäler aufgenommen.

 

Ludmila Hořká (1892-1966) – war Dichterin, Prosaautorin und Sammlerin der Volksliteratur, Gründerin eines Vereins für Volkskunst. Sie verfasste Artikel für die Zeitschriften „Moravec“, „Náš domov“, „Naše Slezsko“, „Moravská orlice“ und „Radostná země“. Zu dem bekannten Werk gehört eine völkerkundliche Romantrilogie mit autobiographischen Zügen: Doma (1943), Řeka (1946) a Dolina (1962). Dieser Roman-Chronik wird ebenfalls um ihr novellistisches Schaffen erweitert: eine balladenhaft geschriebene Geschichte einer Frau namens Bejatka (1959) und eine Geschichte über ein bitteres Lebensschicksal einer einfachen Frau namens Mezovodka (1962).

Ivo Žídek (1926-2003) – war ein bekannter tschechischer Opernsänger, Tenor und seit dem Jahr 1948 ein langjähriges Mitglied der Operngruppe des Nationaltheaters in Prag. Von einigen Musikexperten wird er für den bedeutendsten tschechischen Operntenor in der Nachkriegszeit gehalten. Von seinen zahlreichen Rollen ist wohl die berühmteste und oft wiederholte Rolle Jeník in der tschechischen Oper „Die verkaufte Braut“ (tsch. Prodaná nevěsta) von Bedřich Smetana. Ivo Žídek war zwischen den Jahren 1989-1991 Leiter des Nationaltheaters. Er machte eine Reihe von Aufnahmen von Opernarien und von Opernstücken für den Tschechoslowakischen Rundfunk (tsch. Československý rozhlas) und Supraphon.